Jura - Studium und Beruf

Offiziell heißt es "Studium der Rechtswissenschaften", aber in Deutschland nennt man es allgemein Jura Studium. 32 Juristische Fakultäten sowie sechs Fachhochschulen bieten dieses Studium derzeit an, mit wechselnder Reputation und leicht unterschiedlichem Aufbau des Studiums. Manche Fakultäten bieten auf Wunsch der Studierenden immer noch die Promotion zum Doctor iuris utriusque an, eine eher veraltete Bezeichnung, die auf die historische Gleichstellung von Kirchenrecht und weltlichem Recht zurückgeht. Allen Fakultäten gemeinsam ist der Abschluss des Studiums mit dem Ersten und später mit dem Zweiten Staatsexamen.

Zu Anfang des Studiums befassen sich Studierende der Rechtswissenschaften mit der Auslegung (Exegese) der unterschiedlichen Gesetzbücher. In Vorlesungen dreht sich alles um die Interpretation der Gesetzestexte im Bürgerlichen Gesetzbuch und Handelsgesetzbuch, der Zivilprozessordnung und des Strafgesetzbuchs. Strafprozessordnung, Grundgesetz, Verwaltungsverfahrensgesetz und Verwaltungsgerichtsordnung werden so erarbeitet. Die Vorlesungen gehen mit Abschlussklausuren und dem Erstellen von schriftlichen Rechtsgutachten einher. Auf diese ersten Übungen folgt eine zweite Phase des Studiums, die im Prinzip genauso aufgebaut ist, aber komplexere Aufgabenstellungen beinhaltet. Danach ist das Studium schon fast beendet, in der Regel wird ein Jahr der Examensvorbereitung angeschlossen, das mit dem Besuch des ein oder anderen Repetitoriums (Wiederholung des Unterrichtsstoffs in einer Gruppe von Studierenden mit Dozent/-in) einhergeht. Je nach Fachgebiet sollten die Studierenden in den einzelnen Bundesländern zusätzlich Kurse zum Fremdsprachenerwerb besuchen. Das Erste Staatsexamen folgt, ein zweijähriges Referendariat und das Zweite Staatsexamen.

Neben diesem Aufbau des Studiums der Rechtswissenschaften wurde in den 1970er und 1980er Jahren das sogenannte einstufige Juristenausbildung angeboten. Sinn des Versuches war es, die Juristenausbildung zu vereinfachen und zu verkürzen - Staatsexamen waren bei der einstufigen Ausbildung nicht notwendig, nach einer ersten Studienabschlussprüfung unterzogen sich die Studierenden einer längeren praktischen Lernzeit. 1984 wurde das Modell abgeschafft. Manche Universitäten haben das Studium der Rechtswissenschaften auf Abschlüsse wie Bachelor, Master oder Diplom umgestellt, die Abschlüsse werden in der Regel nach dem Bestehen des Ersten Staatsexamens erworben. Für die übliche Laufbahn als Richter oder Anwalt sind diese Abschlüsse untauglich, aber sie qualifizieren für den höheren Dienst und können somit sinnvoll sein.